Lektorat von Jane Austens „Stolz und Vorurteil“ für Kinder – und mein „Schlüssel“-Moment bei der Spurensuche

Ein Traum ging für mich in Erfüllung, als ich an der kindgerechten Neuerzählung von „Stolz und Vorurteil“ mitwirken durfte. Die Liebe zu Jane Austen begann für mich nach dem Abi. In dem Vakuum zwischen Schulabschluss und Studienbeginn hatte ich viel Zeit, und die verbrachte ich überwiegend mit Lesen. Ich las, was die öffentliche Bibliothek und der persönliche Bücherschrank hergaben, am liebsten Klassiker wie die Romane der Brontë-Schwestern oder von Jane Austen. Mehrere „Stolz und Vorurteil“-Ausgaben stehen in meinem Regal, die Verfilmung mit Keira Knightley und Mathew Macfaden in der Hauptrolle habe ich das ein oder andere Mal (genaue Zahlen nenne ich hier lieber nicht) gesehen.

Mein besonderes Jane Austen-Highlight war der Besuch von Bath, England, wo die Autorin einige Zeit lebte. Das Jane Austen-Center war allerdings eine Enttäuschung. Abgesehen von einigen interessanten Bemerkungen und einer alten Ausgabe von „Pride and Prejudice“ gab es vor allem Informationen zu den bekannten Verfilmungen und Merchandise. Mein nächster Stopp war ein früherer Wohnort Austens. Als ich endlich vor der Hausnummer 4 Sydney Place, Bath, stand und mein Handy für das Erinnerungsfoto hervorholte, öffnete sich unvermittelt die Haustür und heraustrat – nicht Jane Austen, aber der aktuelle Bewohner des Appartements. Er ahnte wohl, dass ich eine Jane Austen-Pilgerin war, ging direkt wieder hinein und kam mit einem seltsam großen Schlüssel wieder heraus. Nach kurzer Begrüßung übergab er mir den Schlüssel, der schwer und kalt in meiner Hand lag, und erklärte: „That’s the original key Jane Austen used when she lived here.“

Da stand ich also, hielt Jane Austens (vermeintlichen) Haustürschlüssel in der Hand und konnte mein Glück kaum fassen. Näher war ich der Schriftstellerin noch nicht gekommen. Ob es nun wirklich „der“ Schlüssel war oder einfach nur ein antiker Gegenstand, wer weiß. Ich jedenfalls will gerne glauben, dass Jane Austen sich mit diesem Schlüssel Zutritt zu ihrem Appartement verschafft hat.

Nach meinem England-Ausflug holte ich wieder „Stolz und Vorurteil“ aus dem Regal. Mit jedem neuen Erleben der Geschichte um Elizabeth entdecke ich neue Aspekte. Hat mich nach dem Abi noch die zentrale Liebesgeschichte in ihren Bann gezogen, war es mit Mitte 20 eher die feine Ironie und genaue Zeichnung der Figuren, die mich faszinierte, und mittlerweile sind es die Darstellung der vielfältigen feministischen Perspektiven, der Stellung der Frau und der Möglichkeiten ihrer finanziellen Sicherung, die mich an der Geschichte begeistern. „Stolz und Vorurteil“ hat viele Facetten und Ebenen. Daher gibt es auch unzählig viele Möglichkeiten, den Roman für Kinder zu adaptieren und die komplexe Handlung für junge Leser*innen spannend zu verpacken. Anna Kindermann hat es in ihrer Neuerzählung wunderbar gemeistert – und es war ein unglaubliches Vergnügen, das Manuskript zu lektorieren und für den letzten Feinschliff zu sorgen!

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